Hier schaut der Scheich seine neue Werft an
Scheich Hamdan verschaffte sich persönlich einen ersten Eindruck von Nobiskrug: Der Rendsburger Betrieb gehört seit einigen Tagen zu seinem Konzern Abu Dhabi Mar.
In den vergangenen Tagen hat sich die Werft Nobiskrug mächtig ins Zeug gelegt. Für den besonderen Gast sollte alles perfekt sein. Allerdings nicht zu perfekt, wie ein altgedienter Werft-Arbeiter hinter vorgehaltener Hand gestand. "Sonst glaubt Seine Hoheit noch, dass hier nicht gearbeitet wird."
Der neue Besitzer Scheich Hamdan bin Sajed al Nahjan höchstpersönlich flog gestern ein. Im 15-köpfigen Gefolge hatte das Mitglied der Herrscherfamilie von Abu Dhabi nicht nur seinen Sohn, sondern mit Iskandar Safa auch den Geschäftsführer seines Unternehmens Abu Dhabi Mar, dem die Rendsburger Traditionswerft nun angehört.
Nobiskrug hatte sich sichtlich herausgeputzt. Vor der Zentrale wehten die Flaggen der Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen Abu Dhabi zählt, von Abu Dhabi Mar und die der Bundesrepublik. Alles schien perfekt für den ersten Besuch des Scheichs. Doch gerade, als die drei Helikopter einflogen, setzte der Regen ein. Das war nicht geplant. Jedoch kein Problem. Denn als sich Nobis-Geschäftsführerin Susanne Wiegand direkt nach der Begrüßung für das Wetter entschuldigte, entgegnete Scheich Hamdan nur: "We love it."
Keinerlei Allüren oder Berührungsängste
Und tatsächlich ließ sich der Scheich vom Regen nicht stören. Er nahm sich die Zeit, jedem der Werft-Mitarbeiter, die die Ankunft interessiert aus einiger Entfernung beobachtet hatten, die Hand zu schütteln. Bodenständig und aufgeschlossen wirkte der Mann. Keinerlei Scheich-Allüren oder Berührungsängste. "Auf den ersten Blick sympathisch", meinte einer der Arbeiter.
Auch Rolf Ullmanns Eindruck war positiv. Allerdings betonte der Betriebsratsvorsitzende im Gespräch mit dem sh:z, dass es darauf erst einmal nicht ankommt. "Wir wünschen uns, dass es besser wird als unter dem alten Besitzer. Für die Belegschaft ist es ein positives Signal, dass er so viel Interesse zeigt. Allerdings sind Investitionen nötig", sagte Ullmann. Der Scheich habe ihm aber versichert, dass er alles für eine positive Zukunft von Nobiskrug tun werde.
Nach einem kleinen Imbiss ging es für den Scheich weiter zur Werftbesichtigung. Gemeinsam mit den Nobis-Geschäftsführern Susanne Wiegand und Holger Kahl, Iskandar Safa und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen verschaffte sich Scheich Hamdan im Golf-Caddy einen Eindruck von seinem Neuerwerb. Der Scheich und sein Gefolge wurden durch Werkshallen und über einen Yacht-Neubau geführt.
Carstensen will jetzt nicht nach Abu Dhabi
Was Abu Dhabi Mar mit Nobiskrug vor hat, wurde anschließend bei einem Pressegespräch erläutert. So betonte Mar-Geschäftsführer Safa, dass das Unternehmen nun Weltmarktführer im Bereich der Mega-Yachten mit einer Länge von über 60 Metern sei. Nobiskrug sei eine ideale Ergänzung zu den beiden bisherigen Standorten in Abu Dhabi und Frankreich. "Wir kennen Nobiskrug schon lange. Haben schon früher zusammengearbeitet, waren bei einigen Aufträgen aber auch Konkurrenten. Wir sind sehr froh, dass Nobiskrug jetzt ein Teil von uns ist." Ziel sei ein Ausbau des Standorts in Rendsburg. "Wenn sich der Markt gut entwickelt, werden wir mehr investieren und zusätzliche Arbeitsplätze schaffen", sagte Safa. Genaue Investitionssummen konnte er aber nicht nennen. "Dazu ist das Geschäft noch zu frisch."
Der Scheich selbst fasste sich kurz. Er dankte allen, die an dem Geschäft beteiligt waren. Ausdrücklich auch dem Ministerpräsidenten, der sich bei den schwierigen Verhandlungen eingesetzt habe. Die Einladung zur Jagd in Abu Dhabi schlug dieser jedoch vorerst aus. "Ich habe derzeit leider sehr viel zu tun", sagte Carstensen.


